Bei Vortrag in Ursensollen: Bauerndemo gegen Pfarrer

„Ich habe mich nie gegen die Landwirtschaft gestellt.“ Mit dieser klaren Aussage distanziert sich der Münchner Kult-Pfarrer Rainer Maria Schießler in Ursensollen von Vorwürfen der Bauerninitiative LSV (Land schafft Verbindung).

Einige LSV-Vertreter hatten sich mit einem mannshohen, grünen Kreuz vor der Abendveranstaltung mit dem streitbaren Priester vor den Eingang des Kubus postiert. Die Handvoll Demonstranten ließen auf Tablets ein Interview mit dem Geistlichen in Dauerschleife laufen und versuchten, mit den zahlreichen Besuchern von Schießlers Vortrag ins Gespräch zu kommen – unter ihnen Bürgermeister Franz Mädler. Meist erfolglos.

Als Rainer Maria Schießler schließlich kurz vor dem Beginn der Veranstaltung in Begleitung von EBW-Vorsitzendem Siegfried Kratzer vor dem Kubus auftauchte, eilte er an der Gruppe grußlos vorbei. Auch er ließ sich auf keine Debatte ein.

Im Saal machte der Pfarrer aber einige Minuten später aus seiner Seele keine Mördergrube. Er verwies auf seine familiären Verbindungen zur Landwirtschaft und betonte er sei „sicher kein Feind der Bauern“. Durch die Aktion vor dem Kubus fühle er sich überrumpelt. Dass die Demonstranten ein Kreuz aufgestellt hätten, verurteilte Schießler als „Schändung des Kreuzes“.

Auf das Video eingehend, das mit ihm am Rand einer Taufe im Zuge des Volksbegehrens „Rettet die Bienen“ geführt worden sei, bat er: „Hört doch mal genau hin.“ Es gehe darin um die Bienen auf Schießlers Pfarrhaus-Dach und eine Feststellung des verantwortlichen Imkers. „Er hat mir erzählt, dass er mit den wenigen Bienenstöcken mitten in der Stadt mehr Ertrag macht als mit denen am Rand der Stadt, wo die Felder sind.“ Er wisse gar nicht, warum da noch immer nachtarockt werde.

Diakon Jürgen Donhauser aus Moos bei Kümmersbruck, einer der LSV-Demonstranten, weiß das sehr wohl: „Es hat in dem Video ausgesehen, als ob er ein offizielles kirchliches Statement zum Bienen-Volksbegehren abgegeben habe.“ Und zwar Pro-Volksbegehren. Donhauser, der sich als „Diakon und Landwirt“ bezeichnet, klagt über die neuen Verordnungen, die ihm und anderen das Leben schwer machten. „Ich darf zum Beispiel einen Streifen von fünf Metern neben einem Gewässer nicht mehr bewirtschaften.“ Das sei wie eine Enteignung von Grund.

Auch gegen den Vorwurf, einen Missbrauch des Kreuzes zu veranstalten, wehrt sich der Diakon. „Das grüne Kreuz ist ein Zeichen der Hoffnung“, sagte er, „und im Übrigen tragen viele Organisationen ein Kreuz als Emblem – etwa das Rote Kreuz“.

Die Initiative LSV betont, die Landwirte würden durch immer rigorosere Auflagen und Vorschriften massiv behindert – bis hin zur Aufgabe von Betriebe.

Quelle: https://www.onetz.de/oberpfalz/ursensollen/vortrag-ursensollen-bauerndemo-gegen-pfarrer-id2951854.html